It\'s like there has never been a problem
I'm an author by birth. There's no choice in this matter.
"I shall wear necklaces and a white dress without sleeves at night. There will be parties in brilliant rooms; and one man will single me out and will tell me what he has told no other person. He will find in me some quality, some peculiar thing. But I do not want to be fixed, to be pinioned. I tremble, I quiver, like the leaf in the hedge, as I sit dangling my feet, on the edge of the bed, with a new day to break open. I have fifty years, I have sixty years to spend. I have not yet broken into my hoard. This is the beginning." - Virginia Woolf, The Waves
Wires of Holy Water

Der etwas andere Blogeintrag – weil Mama etwas Lyrisches wollte.

Wires of Holy Water

15.12.2010

Es ist abstrakt – sagt man zumindest – dass zwischen den Welten hin und her gleiten.

Das war es doch, oder etwa nicht?

Dezentralisation: sie versucht sich daran zu erinnern, als sie noch idealistisch war. Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie alle insgeheim Kinder im sprichwörtlichen Süßigkeitenladen gewesen waren, während sie darauf warteten entdeckt zu werden. Die Frage, die sich jedoch in jenem Moment stellt war wohl die, wann sie eben dies verloren hatten.

Sie schnappt sich einen alten Block, weil es das erste ist, was ihr in die Hände fällt und der Drang zu schreiben beinahe unerträglich ist. Sie öffnet die Glastür, die den Eingang zu ihrem eigenen kleinen Haus bildet. Luxus. Trotz Babykakerlaken und Ameisenarmeen. Ihre Schuhsohlen klicken, als sie sich bewegt, um die Ecke herum in Richtung Pool. Das Echo übertönt beinahe die zirpenden Zikaden, die sie sonst nachts wach halten. Sie ist langsam, während sie läuft, fummelt nach einem Stift, als sie sich endlich setzt und die Beine ins kalte Wasser steckt, weil die Hitze andernfalls nicht zu ertragen wäre.

Der Blick auf das große Haus ist einschüchternd und sie lässt für einen Moment den Gedanken zu, dass sie die Sklaven einer herrschaftlichen Familie aus dem 18. Jahrhundert sind.

Sie versucht die Tatsache zu ignorieren, dass der Griff nach dem Block eine Bewegung geworden ist, die beinahe einer Angewohnheit gleicht.

Die Sonne verbrennt ihre Schultern und sie weiß ganz genau, das man bereits am Abend die roten Striemen erkennen können würde. Fakt ist, dass es sie nicht kümmert, denn es ist der erste Sonnentag seit zwei Wochen und sie braucht das Vitamin D, um sich nicht ganz so verloren vorzukommen – auf einer Farm im Nirgendwo, umgeben von mehr Tieren, als Menschen. Resignation.

Sie starrt auf die weißen Seiten vor ihr – sie hasst es mit der Hand zu schreiben, doch die Bewegung an sich ist unglaublich tröstlich. Außerdem  ist sie hier allein – ständige Gesellschaft ist einschüchternd, wenn man sein Leben in einem Kokon verbringt.

Sie waren alle einen Schritt zurück – in die falsche Richtung - gegangen.

Aber am Ende war es nur eine Ablenkung davon, was sie wirklich beschäftigt. Was sie immer beschäftigte. Der Unterschied jetzt, hier, ist, dass sie sich des Preises bewusst ist, was es von ihr selbst fordert.

Sie seufzt.

„Du versteckst dich…“ – Ein Echo vom Haus und als sie aufsieht entdeckt sie das breite Grinsen eines Kindes, das nicht so eine Lebenserfahrung in den Augen haben dürfte.

Ihre Schultern sinken und sie versteckt es, indem sie sich zurück lehnt und den Block unter ihrem Hintern versteckt.

Sie geht zwei Schritte und lehnt sich an das Balkongeländer. Da ist ein Scharren und sie sieht die beiden schmutzigen Köter, die sie vorzugsweise nie berühren will. Seamus und…

„Distanz ist gut…“

„Manchmal…“

Es ist interessant, wie sie sich verstehen, obwohl sie sich nicht kennen. Das Wasser in ihrer Hand ist warm und aus den Augenwinkeln kann sie erkennen, wie man das kranke Fohlen zurück in den Stall führt. Eine neue Runde Antidiarrhoepuder. Sie verzieht das Gesicht, als sie an den Gestank denkt, aber es scheint zu helfen und das Fohlen ist noch am Leben. Es war sowieso nicht ihre Entscheidung.

Als sie wieder aufschaut ist das Mädchen verschwunden. Distanz.

Bis jetzt war ihr der Gedanke noch nie so gekommen. Da waren Dinge, die greifbar und andere, die unerreichbar waren. Bis jetzt war eine Art binäre Phrase, eine Entschuldigung um Neigungen zu überspielen, die in einschüchterndem Idealismus ertrinken würden.

Sie lacht, denn sie hätte nie gedacht, dass es das Einfachste war sich selbst zu Tode zu psychoanalysieren.

-

Am nächsten Tag ist die Sonne verschwunden – als hätte sie es geahnt. Monsun Stufe 5.

Aber es gibt noch immer Arbeit, die erledigt werden musste. Erneut sieben Stunden. Ihre Kleider sind nass, aber wenn sie nach links und rechts schaut sieht sie, dass es ihren Reisepartnerinnen nicht besser geht. Bei solchem Wetter gesellen sich die Insekten gerne zu ihnen in die Scheune und so verbringen sie ihre Zeit eher damit sich selbst zu schlagen, als tatsächlich etwas zu arbeiten. Das Wort Berechenbarkeit erscheint in ihrem Kopf und sie weiß nicht warum, aber es krallt sich in ihr Gehirn und sie fragt sich, wann der Rollentausch stattgefunden hat. Warum beherrschten die Wörter nun sie?

Die Arbeit löst sich auf in einer Mischung aus Regenschauern und unerträglicher Hitze. Der frühe Feierabend kommt überraschender, als das Angebot den Nachmittag im Einkaufszentrum zu verbringen. Sie ist bereits dort gewesen. Ein Ort, der eine eigene Postleitzahl verdient – Hyperdome.

Diesmal sind da nicht so viele Menschen. Vielmehr die Verführung und sie kann mal wieder nicht Nein sagen. Es ist wohl doch irgendwie richtig, dass sie in den Kapitalismus hineingeboren wurde. Sie ist eben ein zu leichtes Opfer.

Sie lacht insgeheim, als sie an einem Alkoholladen vorbei laufen und Billy Joels Piano Man in ihrem Kopf widerhallt wie eine Epiphanie. Der Samstag verging mit vollen Taschen, lauter Musik und Pasta.

29.12.2010

Die Farm verschwindet, aber alles löst sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in Wohlgefallen auf. Erneut wurden sie zu früh aus ihrem Zuhause auf Zeit geworfen, doch dieses Mal kümmert sie es nicht einmal. Sie sind froh fliehen zu können. Zurück zur Zivilisation mit Cupcakes und Coffee to Go. Die Menschen sind tröstlich und irgendwie hat sie es nie in Betracht gezogen, dass Gesellschaft etwas Gutes sein kann.

Sie sind jetzt wieder zu viert und in zwei Tagen – oder sechs – werden sie endlich in einem Auto sitzen und in Richtung Outback fliehen. Uluru. Das lustige an der ganzen Sache ist, es ist nicht einmal so sehr der Drang dieses Wahrzeichen zu sehen, das sie antreibt. Es ist viel mehr die Tatsache das Land zu verlassen und es nicht gesehen zu haben. Sie lacht bei dem Gedanken und der Spruch mit dem Propheten und dem Berg will einfach nicht aus ihrem Körper verschwinden.

Sie schüttelt die Schwermut ab und sieht mit großen Augen dem neuen Jahr entgegen. Da sind Gedanken, die sie sich macht. Über das Leben wie es sein könnte, sein sollte. Sie spinnt Ideen, die sie selbst vermutlich nicht verwirklich kann, aber wie bereits gesagt. Bald bricht das neue Jahr an und die Menschen behaupten doch steif und fest, dass es nichts gibt, das unmöglich sei.

29.12.10 08:57
 


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